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2010-12-29 14:43:02
Ergebnisse des INNO-Grips Workshops vom 30. September 2010 in Köln
Bonn, 5. Oktober 2010
Etwa 30 Experten aus Politik und Wirtschaft diskutierten am 30. September 2010 in Köln die Frage, ob und wie Innovationspolitik dazu beitragen kann, Wirtschaftskrisen schneller zu bewältigen oder ihre Auswirkung zu mildern. Der Workshop wurde von empirica gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult im Kontext des „INNO-Grips“ Projekts organisiert, das Teil des PRO INNO Europe Portals der Europäischen Kommission ist.
Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hat Europas Wirtschaft ernsthaften Schaden zugefügt. Enorme Schulden wurden angehäuft für konjunkturbelebende Maßnahmen und um systemrelevante Institutionen zu retten. Zur Refinanzierung ist jetzt nachhaltiges Wachstum notwendig. Theoretisch kann Wirtschaftswachstum durch Innovation ausgelöst und beflügelt werden. Daher werden gerade in Zeiten des Abschwungs verstärkte Investitionen in Innovation als geeignete Maßnahme vorgeschlagen, sowohl um kurzfristige Effekte zu erzielen als auch um schneller und nachhaltiger aus der Krise zu kommen. Schumpeters bekanntes Modell der „kreativen Zerstörung“ weist auf die marktbereinigenden Effekte des Abschwungs im Konjunkturzyklus hin: weniger produktive Unternehmen werden aus dem Markt gedrängt, während hochproduktive Unternehmen auch in der Krise erfolgreich sind. Das führt in Summe zu einem allgemeinen Anstieg der Produktivität. Finnland wird in diesem Zusammenhang oft als Beispiel für die Chancen und positiven Effekte einer umfassenden, anti-zyklischen Innovationspolitik angeführt. Das Land stand zu Beginn der 1990er Jahre am Rande des Bankrotts und schaffte durch Innovation und Restrukturierung den Umschwung zu einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften der jüngeren Zeit.
Im Vorfeld des Workshops hatten Ökonomen des IW Consult Köln als Diskussionsgrundlage einen Policy Brief erstellt, der empirische Befunde über den Zusammenhang zwischen dem Innovationsverhalten und dem Wirtschaftszyklus liefert. Insgesamt sind die Autoren eher skeptisch, ob anti-zyklische Innovationspolitik wirklich ein vielversprechendes Instrument zur Bekämpfung von Wirtschaftskrisen darstellt. Sie empfehlen, dass sich die Europäische Innovationspolitik eher darauf konzentrieren sollte, für positive Rahmenbedingungen für Innovation und für harten aber fairen Wettbewerb zu sorgen, und Grundlagenforschung zu fördern. Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass zielgerichtete anti-zyklische Maßnahmen in bestimmten Bereichen wichtig sein können, besonders um die Innovationsaktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) während der Krise aufrechtzuerhalten. Da KMU bedeutende Quellen für Innovation sind, und in der Regel überproportional zur Entstehung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten beitragen, sind die KMU hochrelevant in diesem Zusammenhang. Die Studie empfiehlt, unter anderem, steuerliche Begünstigungen für Forschung & Entwicklung sowie Investitionsausgaben, da dies eine rechtsverbindliche und somit sichere Förderungsmaßnahme darstellt, was gerade für KMU ein zentraler Aspekt ist.
Davon abgesehen empfiehlt die Studie wegen der längerfristigen Wirkungsweise einen systemischen Ansatz für Innovationspolitik, zum Beispiel durch eine enge Verzahnung mit den Politikbereichen Bildung, Wirtschaft, und Arbeit.
INNO-Grips ist Teil des PRO INNO Europe Portals (http://www.proinno-europe.eu) der Europäischen Kommission, ein Brennpunkt für Analysen zur Innovationspolitik und die Zusammenarbeit in diesem Bereich in Europa. INNO-Grips unterstützt Politikgestalter dabei, Antworten auf neue Anforderungen, Trends und Phänomene im Bereich der Innovationspolitik zu finden. INNO-Grips wird von empirica, Bonn, auf Basis eines Vertrags mit der Europäischen Kommission, Generaldirektion Unternehmen und Industrie, gemanagt. Der Vertrag läuft noch bis Ende 2012.